Land- oder Stadtmensch? Wie ich mich entschieden habe

Vor genau einer Woche sind mein Freund und ich in unserer neuen Ferienwohnung angekommen. Unser zu Hause für die nächsten Monate, denn erst im September soll unsere zukünftige Wohnung endlich fertig sein. Das übergangsweise Wohnen in Ferienwohnungen ist auf Dauer sehr anstrengend, denn man hat nie ein “zu Hause Gefühl” oder einen wirklichen Rückzugsort. Doch diesmal gibt es klare Vorteile zu den vorherigen Wohnungen: Wir wohnen einige Monate hier, sodass sich das auspacken lohnt und zudem ist die Wohnung mitten in Potsdams Zentrum. Letzteres ist mir für ein gutes Lebensgefühl besonders wichtig, da ich mittlerweile ein absoluter Stadtmensch bin.

Das war nicht immer so. Geboren wurde ich in Winterberg, gewohnt habe ich die ersten Jahre in Langewiese – einem kleinen Ort in den Bergen mit ca. 400 Einwohnern. Rückblickend war das Leben wohl ein bisschen wie das von Heidi. Ruhig, beschützt, unspektakulär und nah an der Natur. Für die frühe Kindheit war das sicherlich sehr gut, für meine Mutter hingegen oftmals anstrengend. Die wichtigsten Dinge für ein Kleinkind waren in Winterberg erhältlich und dieser Ort war nur mit dem Bus erreichbar. Mit Kind, Kinderwagen und Einkäufen oder zum nächsten Kinderarzt in den Bergen mit dem Dorfbus – keine leichte Aufgabe.

Unsere nächste Station war Münster. Allerdings wohnten wir auch hier etwas weiter außerhalb der Stadt, in Greven-Reckenfeld. Greven war mit ca. 30.000 Einwohnern schon um einiges größer als Langewiese, rückblickend aber auch eher ruhig. Das alltägliche Leben gestaltete sich hier um einiges leichter, da Kindergarten, Schule, Ärzte und Supermärkte fußläufig erreichbar waren. Und wer Münster kennt, der weiß wie viel wir hier mit dem Fahrrad unterwegs waren. Diesbezüglich herrschten dort schon fast niederländische Verhältnisse!

Nach ein paar Jahren und einer sehr glücklichen Zeit in Münster ging es dann weiter nach Ostdeutschland. Wir wohnten erst in einer Doppelhaushälfte, dann in einem Haus in einem Dorf am Rande von Potsdam. Für meine restlichen Jahre Kindheit war das wirklich super, denn die Kinder dieser Siedlung waren eine große Clique, man kannte sich untereinander und das Nachbarschaftsverhältnis war toll! Auf den Straßen war es sehr ruhig und unbesorgt draußen spielen stand an der Tagesordnung. Doch spätestens als ich auf ein Gymnasium in Potsdam und in die Pubertät kam, wurde die Entfernung zur Stadt wieder etwas herausfordernder. Der Weg mit dem Schulbus war im Berufsverkehr relativ lang und wenn man am Wochenende ausgehen wollte, war es immer schwierig in der Nacht wieder nach Hause zu kommen.

Ich bin ein Stadtmensch

So kam es, dass ich mit 18 in meine eigene Wohnung in Potsdams Innenstadt gezogen bin. Ich hatte das Gefühl, dass es so am besten für mich war: Zentral in einer “Kleinstadt”, Berlin vor der Haustür. Als mein Freund und ich dann das vergangene Jahr in einer sehr kleinen Stadt in Holland verbracht haben, wurde mir umso mehr bewusst, wie ich gerne leben möchte. Nachdem ich nun alles erlebt habe – Dorf, sehr kleine Stadt, Kleinstadt, Großstadt vor der Tür – kann ich ganz klar sagen: Ich bin ein Stadtmensch. Das bedeutet nicht, dass ich in Berlins Zentrum leben möchte. Aber ich liebe es aus der Haustür zu gehen und mitten im Stadtleben zu sein. Ein paar Schritte zu laufen und auf Geschäfte, Cafés und Restaurants zu treffen. Ich mag es, wenn es vor meinem Fenster pulsiert. Jedoch ohne lauten und stickigen Straßenverkehr wie in Berlins Zentrum, sondern lieber mit vielen Spaziergängern und Touristen, die das schöne Potsdam erkunden. Und ja, ihr lest es schon raus – mir ist im vergangenen Jahr ebenfalls bewusst geworden, wie sehr ich Potsdam liebe. Diese Mischung aus Geschichte, wunderschöner Architektur und ganz viel Wasser inklusive vieler Touristen, die dieser Stadt zu jeder Jahreszeit so viel Leben geben – ich kann mir nichts besseres vorstellen.

Aus diesem Grund warten mein Freund und ich auch ganz geduldig auf die Fertigstellung unserer Wohnung. Einer Wohnung mit Blick auf das Wasser und mitten im Zentrum. Wir könnten uns nichts schöneres vorstellen und haben uns dazu entschieden, hier zu wurzeln. Wir sind angekommen.

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