Das Influencer Abmahn-Gate auf Instagram

*Werbung durch Markenerkennung des Levis T-Shirts

Das Influencer Abmahn-Gate auf Instagram

Jeder hat vermutlich die Diskussion um dieses Thema mitbekommen und ist verunsichert, aufgebracht oder genervt:

Das Influencer Abmahn-Gate auf Instagram! 

Dennoch ist es wichtig, dass wir – gerade aufgrund der bestehenden Grauzonen – unser gesammeltes Wissen miteinander teilen und es an die Öffentlichkeit bringen. Denn je mehr Aufmerksamkeit dieses Problem erregt, desto wahrscheinlicher wird die Einführung einer einheitlichen Rechtslage durch eine Rechtsprechung, die wir alle für den weiteren Umgang mit Social Media benötigen. Deshalb möchte ich weder behaupten, dass ich Allwissend bin, noch ist das hier eine Rechtsberatung. Ich teile lediglich die Informationen, die ich gesammelt habe und wünsche mir einen regen Austausch mit euch.

Influencer Abmahn-Gate: Worum geht es?

Vor ein paar Wochen haben einige Influencer offen auf Instagram darüber geredet, dass sie abgemahnt wurden. Allesamt haben vom “Verband Sozialer Wettbewerb” Abmahnung erhalten, die sie nicht nachvollziehen konnten. Thematisiert wurde hierbei die Kennzeichnung von Werbung in Beiträgen auf Instagram.

Vorab möchte ich sagen: Ich persönlich distanziere mich von jenen Influencern, die in der Vergangenheit jegliche Kooperationen mit Firmen nicht vernünftig als Werbung gekennzeichnet haben (und somit wohl ihren Beitrag zur aktuellen Situation geleistet haben!).

Kommerzielle Absichten, welche durch die Zusammenarbeit mit Firmen entstehen, müssen zur Transparenz immer als Werbung gekennzeichnet werden. Der Fairness halber müssen wir aber auch sagen, dass spätestens seit der Einführung der Richtlinien der Medienanstalten viele Influencer ihre Kooperationen ordentlich in der ersten Zeile als “Werbung” gekennzeichnet haben. Hierbei handelt es sich aber eben nur um Richtlinien und nicht um Gesetze und oder eine Rechtsprechung. Und genau das ist das Problem! Durch die fehlende gesetzliche Regulierung ist eine Grauzone in der Werbe-Kennzeichnung entstanden, welche nun von allen Seiten unterschiedlich ausgelegt werden kann (und wird).

Die Mädels wurden also abgemahnt und man könnte denken, dass sie ihre Firmen-Kooperationen nicht vernünftig als Werbung gekennzeichnet haben. Doch das war nicht der Grund der Abmahnungen. Es ging vielmehr darum, dass sie ihren Partner verlinkt, ihr Lieblingscafé genannt oder ein Shirt einer Marke getragen haben – ohne es als Werbung zu kennzeichnen. Und hier streiten sich die Geister: Während die Influencer argumentieren, dass es sich hierbei um ihre freie und persönliche Meinungsäußerung ohne jegliche Kooperationen und somit NICHT um Werbung handelt, behaupten diverse Landgerichte das Gegenteil. Influencer, die irgendwann schonmal eine Kooperation mit einem Unternehmen eingegangen sind, haben von dort an grundsätzlich IMMER kommerzielle Absichten und sind somit lebende Litfaßsäulen.

Somit muss jede Verlinkung oder Erwähnung als Werbung markiert werden, egal ob eine Firma dahinter steht oder nicht. Im Zweifel machen sie sowieso alles aus dem Grund der Reichweitensteigerung, was neue Follower generiert, somit mehr Unternehmen und Kooperationsverträge anlockt, was wiederum zu mehr Einnahmen führt.

Influencer Abmahn-Gate: Wie ging es weiter?

Nachdem die Influencer die geforderten Gelder in den Abmahnungen nicht gezahlt, die Unterlassungserklärungen nicht unterschrieben und sich einen Anwalt gesucht haben, ging der Verband Sozialer Wettbewerb vor die Landgerichte. Die betroffenen Influencer erhielten eine Einstweilige Verfügung von den Landgerichten – wegen Dringlichkeit des Falles ohne vorherige mündliche Verhandlung – in der bei einer künftigen Zuwiderhandlung mit bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld oder ersatzweise Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten gedroht wird. Wer auch immer diese horrenden Zahlen festlegt. Weder der Nachweis von Kassenzetteln, dass die Produkte selbst gekauft sind und nicht aus Kooperationen stammen noch der Nachweis, dass die verlinkte Person der eigene Partner ist und somit KEINE kommerzielle Absicht hinter der Erwähnung steckt, ist vor den Gerichten durchgegangen.

Wie bereits weiter oben erläutert entschied der Verband Sozialer Wettbewerb die Fälle für sich und startete in diesem Jahr eine regelrechte Abmahnwelle gegen groß und klein. Die betroffenen Personen haben Instagram-Accounts von ca. 500 Followern aufwärts und bekommen Material mit Verstößen zugeschickt, das der Verband über Monate gesammelt hat. Für alle bei Instagram angemeldeten Personen (auch Privatpersonen) waren die letzten Wochen wie Russisch Roulette: Entweder man bekam einen Brief oder man hatte einfach Glück. Denn auch bei jedem Instagram Nutzer ohne Gewerbe besteht die Möglichkeit, dass man eine Kaffeemarke oder einen Markennamen auf den Bildern erkennt.

Influencer Abmahn-Gate: Was wird geraten?

Vorweg sei gesagt: Es wird allen geraten, die eine Abmahnung erhalten, dass sie diese NICHT bezahlen sollen und auch die Unterlassungserklärung nicht unterschreiben sollen. Warum? Weil man sich mit der Unterschrift dazu verpflichtet jeden weiteren Fehler, den man zukünftig (vor allem auch unwissend) begehen könnte, zu bezahlen. Egal ob rechtens oder nicht, denn indem man die “Unterlassung” unterschrieben hat, ist man mit dem Verband einen Vertrag eingegangen. Somit ist einzig und allein die Suche nach einem kompetenten Anwalt sinnvoll. Hier fasse ich euch die Punkte zusammen, welche in den letzten Wochen von jeglichen Seiten geraten wurden:

  • Wie wir alle bereits wussten: Die Werbe-Kennzeichnung muss in der ersten Zeile stehen. Nun hat sich jedoch auch herausgestellt, dass in der deutschen Sprache einzig die Wörter “Werbung” und “Anzeige” geduldet werden. Das von Instagram eingeführte Tool “Bezahlte Partnerschaft mit…” zählt – warum auch immer – nicht. Außerdem dürfen “Werbung” und “Anzeige” natürlich auch nicht als Hashtag verwendet werden, sonst gilt  die Kennzeichnung als verschleiert.
  • Kennzeichnet verlinkte Marken mit Werbung, auch wenn keine Kooperation dahinter steckt. Das gilt einerseits für Verlinkungen, andererseits aber auch für Hashtags. Und im Übrigen gilt das auch für die reine Markenerkennung. Sollte man also Starbucks, Levis und Co. einfach nur im Bild erkennen können, muss auch ohne Verlinkungen eine Werbe-Kennzeichnung erfolgen.
  • Verlinkte Orte, Inspo-Seiten und Personen müssen ebenfalls als Werbung gekennzeichnet werden. Wie bereits weiter oben erwähnt geht man davon aus, dass ihr entweder für die Erwähnung bezahlt werdet oder die Erwähnung eh nur aus Gründen der Reichweitensteigerung stattfindet (und somit schlussendlich zu mehr Geld führt).
  • Das alles gilt natürlich auch für Stories. Und solltet ihr in den Texten oder den Stories Marken erwähnen, sowas wie “ich gehe heute noch zu DM” – kennzeichnet es als Werbung, denn es gilt als solche.
  • So etwas wie “Dauerwerbesendung” zu erwähnen oder in die Bio zu schreiben gilt nicht. Eure einzelnen Beiträge werden auf Instagram auch unabhängig von eurem Feed auf Instagram angezeigt.

Influencer Abmahn-Gate: Welche Probleme entstehen?

Ein persönlicher Tipp von mir zum Influencer Abmahn-Gate: Ruhig bleiben. Natürlich ist das alles ärgerlich und auch ich könnte mich über manche Dinge wahnsinnig aufregen. Doch mit einer Massenpanik und der Löschung sämtlicher Feeds ist das Problem nicht gelöst. Man sollte sich davon nicht entmutigen lassen und das einst so schöne Hobby oder sogar den Job einfach hinschmeißen. Die Diskussionen werden so laut und öffentlich, dass ein gewisser Druck entsteht, um das Problem anhand einer vernünftigen Rechtsprechung zu lösen. Ich kann völlig verstehen, dass alle auf Nummer Sicher gehen müssen und aktuell einfach alles als Werbung kennzeichnen.

Jedoch entsteht dadurch das Problem, welches ursprünglich mal gelöst werden sollte: Das Problem der Intransparenz. Denn was ist jetzt eigentlich wirklich Werbung und was nicht, wenn alles gekennzeichnet wird? Und finden Firmen das überhaupt so toll, wenn man ein Produkt von ihnen als Werbung deklariert, obwohl gar keine geschäftliche Beziehung dahinter steht? Könnten sie uns nicht auch abmahnen, weil wir uns durch ihren Namen kommerzielle und gewerbliche Vorteile verschaffen?

Ein anderes Problem das ich sehe ist, wie all das abgelaufen ist. Es existiert kein Gesetz und keine Rechtsprechung und die Influencer halten sich – teilweise sehr präzise, teilweise weniger – an die Kennzeichnung der Werbung. Doch egal WIE präzise man sich dran gehalten hat: Das Thema ist eine riesengroße Grauzone und genau diese Lücke wurde für eine Massenabmahnung genutzt. Viele Influencer werden also zur Kasse gebeten, obwohl sie gar nicht wussten welches Verhalten richtig ist – und welches eben nicht. Meiner Meinung nach benötigen wir ZUERST ein einheitliches Gesetz und DANACH kann immer noch jeder abgemahnt werden, der sich nicht daran hält.

Doch Massenabmahnungen an Menschen rauszuschicken und sie für Fehler anzuprangern, während sie sich der Fehler garnicht richtig bewusst sein konnten, halte ich für stark fragwürdig. Denn um zu wissen was man falsch macht, muss man vorher schon wissen, wie es richtig geht. Dass mich auch die teilweise extrem negativen Kommentare im Netz von denjenigen stören, welche endlich die überfällige Bestrafung der bösen Blogger und Influencer feiern, sei mal noch ein ganz anderes Thema bzgl. der deutschen Gesellschaft.

Es muss dringend eine Lösung gefunden werden, wir benötigen eine Rechtsprechung und eine einheitliche Regelung. Ich spreche mich absolut FÜR die transparente Kennzeichnung von Werbung aus und habe es auch nie anders gehandhabt. Allerdings eben nur für die Kennzeichnung von Werbung und nicht von Ehemännern oder anderen privaten Dingen. Während das Thema vorher offen war und man tun konnte was man wollte, darf man nun gefühlt gar nichts mehr. Wir sind von einem Extrem ins andere gerutscht – und das eine wie das andere kann nicht die Lösung sein. Doch das Thema bewegt. In naher Zukunft lädt Dorothee Bär zum Roundtable ein, um sich der Problematik anzunehmen. Wir können gespannt sein, wie es weiter geht…

Influencer Abmahn-Gate

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9 Kommentare

  1. 07/01/2018 / 12:10 PM

    Oweh… da bin ich grad sehr froh, dass ich meinen Insta-Account nur zum Folgen benutze o.O Wobei es ja nur eine Frage der Zeit ist, bis die Abmahnwelle auch auf Blogs übergreift… hoffe, wir kriegen bis dahin ordentliche Gesetze =/
    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

    • Juli
      Autor
      07/02/2018 / 12:30 PM

      Das glaube ich dir sofort Liebes… Hab einen tollen Tag! 🙂

  2. 07/01/2018 / 5:47 PM

    im Moment scheint ein ziemlich großes Wirr-Warr zu herrschen, weil alle aus Unwissenheit und Angst vor der Abmahnflut nicht mehr wissen was sein muss, und was überflüssig ist …
    persönlich sehe ich das Ganze als eine reine Formalie – ich denke so fährt man auch am besten vor Frustrationen 😉

    schöne Zusammenfassung meine Liebe!
    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    • Juli
      Autor
      07/02/2018 / 12:31 PM

      Da hast du recht, das sehe ich genau so. Aber leider ist es wirklich sehr chaotisch und intransparent. Hoffentlich findet sich bald eine gute Lösung für alle! 🙂

  3. 07/02/2018 / 5:38 PM

    Es ist wirklich schlimm! Somit ist jedes Bild eine Werbung. Ich stimme dir vollkommen zu, es muss eine klare Regelung her, die klar und deutlich besagt wie und was gekennzeichnet werden soll, damit solche Probleme gar nicht entstehen. Danke für den tollen Beitrag.

    Gruß,

    Daria

    https://www.dbkstylez.com

    • Juli
      Autor
      07/03/2018 / 9:48 AM

      Du hast vollkommen recht, danke dir für deinen Kommentar 🙂
      Hab einen tollen Tag!

  4. 07/08/2018 / 5:19 PM

    Ich finde es einfach nur noch nervig und frage mich, wo an der ganzen Sache noch der Spaß bleibt. Ich habe die ganze Story gar nicht so mitverfolgt aber wenn ich das jetzt so lese, empfinde ich es einfach als anstrengend. Mittlerweile muss man auf so viele Kleinigkeiten achten.

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

    • Juli
      Autor
      07/08/2018 / 7:08 PM

      Da hast du vollkommen recht Liebes

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